Glasfaser nutzen – Voraussetzung für Digitalisierung, Telemedizin und Zukunftsfähigkeit
Der Glasfaserausbau in Deutschland kommt voran. Inzwischen liegt Glasfaser in vielen Städten und Gemeinden bereits vor Millionen von Haushalten. Gleichwohl bleibt die tatsächliche Nutzung deutlich hinter den technischen Möglichkeiten zurück. Ein erheblicher Teil der Haushalte, bei denen Glasfaser verfügbar ist, entscheidet sich bislang gegen einen Anschluss oder nutzt weiterhin bestehende Kupfer- oder Kabelnetze. Damit droht eine zentrale Infrastruktur der digitalen Zukunft ungenutzt zu bleiben.
Glasfaser ist mehr als „schnelleres Internet“: Glasfaser ist nicht lediglich ein Komfortgewinn. Sie ist die technische Grundvoraussetzung für die nächste Stufe der Digitalisierung: stabile, symmetrische Datenübertragung, geringe Latenz, hohe Ausfallsicherheit und gleichzeitige Nutzung datenintensiver Anwendungen.Diese Eigenschaften lassen sich mit Kupfernetzen dauerhaft nicht abbilden.
Zukünftige Schlüsselanwendungen sind ohne Glasfaser nicht tragfähig: Gerade mit Blick auf die nahe Zukunft wird deutlich: Ohne Glasfaser sind zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Anwendungen nicht verlässlich umsetzbar.
Dies gilt insbesondere für:
- Telemedizin (Videosprechstunden in hoher Qualität, Telemonitoring chronisch Kranker, Fernüberwachung medizinischer Geräte),
- Pflege und altersgerechtes Wohnen (digitale Assistenzsysteme, Notfallübertragung in Echtzeit),
- digitale Verwaltung und vollständig medienbruchfreie Verfahren,
- Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle,
- Bildung (digitale Lernplattformen, Videounterricht, KI-gestützte Lernangebote),
- Sicherheits- und Krisenkommunikation.
Gerade Telemedizin zeigt exemplarisch: Zuverlässige medizinische Versorgung auf Distanz erfordert stabile, hochleistungsfähige Netze. Ruckelnde Bildübertragungen, Verzögerungen oder Verbindungsabbrüche sind hier nicht hinnehmbar. Glasfaser ist dafür keine Option, sondern Voraussetzung.
Zentrales Problem: fehlende Nutzung trotz Verfügbarkeit: Die Herausforderung liegt weniger im fehlenden Ausbau als in der unzureichenden Anschluss- und Nutzungsquote: Viele Bürgerinnen und Bürger unterschätzen den künftigen Bedarf. Bestehende Anschlüsse erscheinen „noch ausreichend“. Der Mehrwert von Glasfaser wird häufig nur abstrakt, nicht konkret vermittelt. Damit entsteht die Gefahr einer digitalen Scheininfrastruktur: Netze sind vorhanden, entfalten aber nicht ihre Wirkung.
Information statt Zwang: Ein Anschluss- oder Benutzungszwang ist rechtlich nicht der richtige Weg. Entscheidend ist vielmehr: Aufklärung, Verständnis für zukünftige Anwendungen und Transparenz über Vorteile und Kosten.
Notwendig sind daher gezielte, professionelle Informationskampagnen, die Glasfaser nicht technisch, sondern anwendungsbezogen erklären, den Nutzen für Gesundheit, Pflege, Alltag und Arbeit greifbar machen, sich gezielt an unterschiedliche Zielgruppen richten (Senioren, Familien, Gewerbe).
Rolle von Kommunen, Netzbetreibern und Staat: Kommunen, Netzbetreiber und Bund/Länder müssen gemeinsam handeln: Kommunen als vertrauenswürdige Vermittler vor Ort, Netzbetreiber mit klaren, verständlichen Angeboten, Bund und Länder mit koordinierten Informations- und Förderprogrammen.
Glasfaser muss als öffentliche Zukunftsinfrastruktur verstanden werden – ähnlich wie Straßen, Energie- oder Wassernetze. (Gerd Landsberg)