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Kuratiert von Franz-Reinhard Habbel & Gerd Landsberg.
Aus dem Internet berichten wir jeden Sonntag über Ideen, innovative Lösungen und Zukunftsthemen für Kommunen. 

Fluchtwege zu Bunkern, 110.000 Feldbetten – Dobrindt plant Zehn-Milliarden-Programm für Zivilschutz

Mit Milliardeninvestitionen will die Bundesregierung Deutschland auf Krisen, Anschläge und einen möglichen Verteidigungsfall vorbereiten. Geplant sind unter anderem neue Schutzräume. Selbst Tiefgaragen könnten eine Rolle spielen.

Eckpunktepapier für den Bevölkerungsschutz

Das Eckpunktepapier des Bundesinnenministerium ist hier veröffentlicht.

Neustart im Katastrophenschutz

Deutschland steht vor einem grundlegenden Kurswechsel beim Zivil- und Katastrophenschutz. Jahrzehntelang herrschte die Vorstellung, größere Krisen, militärische Bedrohungen oder flächendeckende Ausfälle kritischer Infrastruktur seien eher theoretische Szenarien. Viele Schutzstrukturen wurden zurückgebaut, Bunker aufgegeben, Material reduziert und Zuständigkeiten zersplittert. Spätestens die Erfahrungen aus Pandemie, Flutkatastrophen, Cyberangriffen, Energiekrise und dem Krieg in der Ukraine zeigen jedoch: Deutschland muss widerstandsfähiger werden.

Die jetzt bekannt gewordenen Pläne des Bundesinnenministeriums markieren deshalb einen echten Neustart im Katastrophenschutz. Es geht nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um einen umfassenden Neuaufbau staatlicher Vorsorge. Schutzräume sollen erfasst und reaktiviert, Warnsysteme modernisiert, Hilfsorganisationen gestärkt und medizinische Reservestrukturen aufgebaut werden. Gleichzeitig soll klarer geregelt werden, wer im Ernstfall Verantwortung trägt und wie Bund, Länder, Kommunen und Hilfsorganisationen zusammenarbeiten.

Besonders wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass Sicherheit heute weit mehr bedeutet als militärische Verteidigung. Moderne Gesellschaften sind hochgradig abhängig von Stromversorgung, digitaler Kommunikation, Wasser, Gesundheitsversorgung und funktionierenden Lieferketten. Bereits längere Stromausfälle, Cyberangriffe oder Sabotageakte könnten massive Auswirkungen auf das öffentliche Leben haben. Hinzu kommen Extremwetterlagen, Hochwasser, Waldbrände und Hitzewellen infolge des Klimawandels. Bevölkerungsschutz wird damit zu einer zentralen Zukunftsaufgabe des Staates.

Entscheidend ist dabei die Rolle der Kommunen. Städte, Gemeinden und Landkreise sind im Krisenfall der erste Ansprechpartner der Bürgerinnen und Bürger. Wenn Strom ausfällt, Trinkwasser knapp wird, Evakuierungen organisiert werden müssen oder Warnungen die Bevölkerung erreichen sollen, wenden sich die Menschen nicht zuerst an Bundesbehörden, sondern an ihre Kommune. Vor Ort entscheidet sich, ob Hilfe schnell ankommt, Informationen funktionieren und Vertrauen erhalten bleibt.

Die eigentliche Krisenbewältigung findet deshalb auf kommunaler Ebene statt. Dort arbeiten Feuerwehren, Rettungsdienste, Bauhöfe, Ordnungsämter, Krankenhäuser und Hilfsorganisationen zusammen. Dort müssen Notunterkünfte vorbereitet, Notstromaggregate einsatzbereit, Kommunikationswege gesichert und Krisenstäbe handlungsfähig sein. Kommunen brauchen dafür nicht nur klare Zuständigkeiten, sondern vor allem dauerhaft ausreichende finanzielle Mittel, moderne Ausstattung und verlässliche Unterstützung durch Bund und Länder.

Wer mehr Resilienz fordert, muss auch die kommunale Handlungsfähigkeit stärken. Sicherheit beginnt vor Ort.

Ebenso wichtig ist die Rolle der Hilfsorganisationen und des Ehrenamtes. Feuerwehr, THW, Rettungsdienste und zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer tragen den Bevölkerungsschutz in Deutschland. Dieses Engagement verdient nicht nur Anerkennung, sondern moderne Ausstattung, verlässliche Finanzierung und gute Ausbildungsbedingungen. Die angekündigten Investitionen in Fahrzeuge, mobile Lazarette, Feldbetten und Spezialtechnik sind deshalb richtig und notwendig.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Eigenvorsorge der Bürgerinnen und Bürger. In Krisen kann der Staat nicht sofort überall gleichzeitig helfen. Deshalb braucht es mehr Bewusstsein dafür, wie man sich auf Stromausfälle, Versorgungsengpässe oder andere Notlagen vorbereitet. Bevölkerungsschutz bedeutet auch Hilfe zur Selbsthilfe. Information, Aufklärung und regelmäßige Übungen werden künftig wichtiger werden.

Der geplante Ausbau des Katastrophenschutzes ist daher weit mehr als ein Sicherheitsprogramm. Er ist Ausdruck eines neuen Verständnisses von staatlicher Resilienz und gesellschaftlicher Verantwortung. Deutschland muss krisenfester, schneller und besser vorbereitet werden. Der Neustart im Katastrophenschutz ist überfällig – entscheidend wird nun sein, dass aus Ankündigungen dauerhaft tragfähige Strukturen entstehen und die Kommunen als Rückgrat des Bevölkerungsschutzes nachhaltig gestärkt werden. (Gerd Landsberg)

Bundesweiter Protesttag der Kommunen am 22. Juni 2026

Am 22. Juni 2026 wird ein bundesweiter Protesttag der Kommunen stattfinden, um auf die katastrophale Finanzlage der Städte, Gemeinden und Kreise hinzuweisen. Organisiert wird der Tag durch die drei kommunalen Spitzenverbände. Am gleichen Tag werden die Verbände Forderungen an Bund und Länder in Berlin präsentieren.

Digitalisierung des Sozialstaates

In der vergangenen Woche hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden die Arbeit aufgenommen, um über eine Plattform die Digitalisierung des Sozialstaates voranzubringen. Nach Teilnehmerkreisen wird u.a. auch drüber diskutiert, inwieweit bei der Umstellung auf digitale Leistungen auch analoge Zugänge sichergestellt werden müssen und damit parallele Infrastrukturen aufrechterhalten werden müssen.

Bundesstiftung beklagt überbordende Bürokratie für Ehrenamtliche

Berlin: Ehrenamtliche in Deutschland verbringen offenbar immer mehr Zeit mit Bürokratie. Zu dieser Einschätzung kommt die Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Vorstand Holze sagte der "Rheinischen Post", ein Verein von durchschnittlicher Größe müsse 6,5 Stunden pro Woche beziehungsweise 42 Tage pro Jahr für Verwaltungsaufgaben aufwenden. Dies sei zuviel, da drei Viertel aller Vereine ohne hauptamtliche Unterstützung auskommen müssten. Anlässlich des heutigen bundesweiten "Ehrentags" für ziviles Engagement forderte Holze die Politik auf, Bürokratie beim Ehrenamt abzubauen. Bundesweit engagieren sich 27 Millionen Bürger ehrenamtlich. (Quelle: Sendung: Bayern 2 Nachrichten, 23.05.2026 08:00 Uhr)

NRW will Radeln im Wald stark einschränken

Wer im Wald künftig abseits von Wegen radelt, muss in Nordrhein-Westfalen bald mit Bußgeldern rechnen. Motorräder, Mofas, Pedelecs und E-Scooter sollen komplett aus den Wäldern verbannt werden. Das sieht ein Gesetzentwurf des zuständigen Ministeriums in NRW vor.

Initiative für einen handlungsfähigen Staat

Inzwischen liegt der Abschlussbericht der Initiative für einen handlungsfähigen Staat vor. Er ist hier veröffentlicht.

Fachkräftemangel: KI als Unterstützung in der Pflege

Die Pflege steht vor großen Herausforderungen. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Seit dem verstärkt sich der Fachkräftemangel. Eine Lösung könnte da die künstliche Intelligenz sein. Dazu ein Betrag aus der ARD.

Finanzminister Lars Klingbeil erwartet Entlastung durch automatisch ausgezahltes Kindergeld

"Mehr Zeit fürs Baby statt für lästige Bürokratie": Das erhofft sich Finanzminister Klingbeil von der Reform beim Kindergeld. Künftig soll es ohne Antrag ausgezahlt werden.

Mit dem Deutschland-Stack samt Zertifizierung zur digitalen Souveränität

Auf einem Berliner Cloud-Gipfel kollidierten komplexe staatliche Architekturvorgaben mit dem Tempo der Open-Source-Community. Zertifizierungen sollen helfen.

Können Community-Rechenzentren die Dateninfrastruktur beleben?

Dass Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung nicht stehen bleiben, zeigt sich besonders anschaulich an der Digitalisierung. Vor gut 50 Jahren habe ich im beruflichen Kontext den Aufbau und die Entwicklung kommunaler Rechenzentren miterlebt. Am Anfang waren viele Kommunen von der Zentralisierung nicht begeistert. Sie fürchteten, in ihrer organisatorischen Eigenständigkeit eingeschränkt zu werden. Das änderte sich nach und nach. Öffentliche IT-Dienstleister sind heute aus der kommunalen Verwaltung nicht mehr wegzudenken. Sie leisten gute Arbeit.

Der Besitz und die Kontrolle von Daten sind jedoch stets auch Machtfragen. Diese Macht bewegt sich zwischen Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft. Während große Plattformunternehmen und Cloud-Anbieter ihre Rechenkapazitäten massiv ausbauen, stellt sich neu die Frage, welche Rolle lokale und gemeinwohlorientierte Infrastrukturen spielen können.

Der Hunger nach Rechenzentrumskapazitäten ist weltweit groß. Milliardenbeträge fließen in neue Anlagen. Auch in Deutschland soll die Rechenzentrumskapazität bis 2030 mindestens verdoppelt werden, die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing sogar mindestens vervierfacht werden. Damit will die Bundesregierung die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die digitale Souveränität stärken.

Auf kommunaler Ebene bilden öffentliche IT-Dienstleister das Rückgrat der digitalen Verwaltung. Daneben entsteht jedoch eine weitere interessante Perspektive: gemeinschaftlich getragene Rechenzentren, sogenannte Community Data Centers. In einem Forschungsprojekt untersucht das Weizenbaum-Institut, wie solche Infrastrukturen aussehen könnten. Auf der re:publica 26 wurde unter der Fragestellung diskutiert, welchen Einfluss Community-Rechenzentren auf den aktuellen Dateninfrastrukturdiskurs haben können.

Aus den bisherigen Arbeiten lassen sich vier Typen erkennen. Erstens gibt es öffentlich-zivile Infrastrukturen, die lokale digitale Dienste und öffentliche Leistungen bereitstellen und unter Beteiligung der Bürgerschaft betrieben werden. Zweitens gibt es Rechenzentren bestehender Gemeinschaften, etwa in Bildungszentren, Vereinen, Genossenschaften oder Hackerspaces. Drittens gibt es dezentrale Netzwerke von Servern, die in bestehende lokale Strukturen eingebettet sind und von mehreren Akteuren getragen werden. Viertens gibt es symbiotische Infrastrukturen, die Rechenleistung mit lokalen Ressourcenkreisläufen verbinden, etwa durch die Nutzung von Abwärme oder Energieüberschüssen.

Ansätze dafür gibt es bereits. So versteht sich IN-Berlin e.V. etwa als nicht-kommerzieller, selbstgestalteter Provider für Privatpersonen, Vereine und Gruppen. WOBCOM in Wolfsburg zeigt, wie kommunalnahe Unternehmen Rechenzentrumsleistungen regional bereitstellen können. Wissenschaftliche Infrastrukturen wie das Leibniz-Rechenzentrum in Garching stehen wiederum für eine öffentlich getragene Hochleistungsinfrastruktur, sie sind jedoch keine Community-Rechenzentren im engeren Sinne. Beispiele gibt es auch in Mexio und in der Türkei. 

Community-Rechenzentren werden die großen globalen Rechenzentren nicht ersetzen. Sie können jedoch eine wichtige Ergänzung sein: lokal verankert, gemeinwohlorientiert, resilient und demokratisch gestaltbar. Gerade für Kommunen kann sich daraus ein neuer Baustein der digitalen Daseinsvorsorge entwickeln – nicht als nostalgische Rückkehr zum kommunalen Rechenzentrum von früher, sondern als moderne Antwort auf die Frage, wem die digitale Infrastruktur der Zukunft gehört. (Franz-Reinhard Habbel)

Neues aus dem Kommunalen Spitzenverbänden

DST:  Nicht nur Poller und Sperren: Städte setzen auf multifunktionale Ansätze

DStGB: Zivile Verteidigung braucht starke Kommunen

DLT:  Milliardenpaket für Bevölkerungsschutz ist wichtiges Signal

GStBRLP: „Nicht der beste Förderantrag soll gewinnen, sondern das beste Projekt vor Ort.“

GtBW:  Bürgermeister Hölsch tritt Amt des Vizepräsidenten an

HSGB: Mitgliederversammlung des HSGB am 17.09.2026 in Weilburg

STGTMV: Mitgliederversammlung des Städte- und Gemeindetages M-V: Personeller Wechsel an der Spitze und klare „Zukunftsvision M-V 2031“ Richtung Landespolitik

Kopf der Woche: Ansgar Heveling wurde zum neuen Präsidenten des Bundesrechnungshofs gewählt

Buch der Woche: Anarchie - DER VERHÄNGNISVOLLE AUFSTIEG DER EAST INDIA COMPANY. 1600-1874

Die British East India Company war der unrühmliche Vorreiter kolonialistischer Ausbeutung eines ganzen Subkontinents. Indien wurde im 17. und 18. Jahrhundert nicht etwa von einem anderen Staat unterworfen, sondern von einer gewinnorientierten Privatfirma mit Sitz in London. In einem großen historischen Panorama erzählt der mehrfach Bestsellerautor William Dalrymple den beispiellos blutigen Aufstieg der Company zur dominierenden Welthandelsmacht filmreif nach. Dabei berücksichtigt er zum ersten Mal auch die indische Perspektive und macht so diese Ursünde des britischen Kolonialismus in all ihrer Grausamkeit verständlich. 

+++Bitte denken Sie beim Erwerb von Büchern an den örtlichen Buchhandel+++

Zahl der Woche: 1,51Millionen Reisende starteten 2025 in Deutschland eine Kreuzfahrt (Quelle destatis)

Chatbot der Woche: Stadt Regensburg startet Chatbot „Ratisbot“

Tweet der Woche: Thorsten Wozniak, Erster Bürgermeister der Stadt Gerolzhofen
Wochenrückblick

Zu guter Letzt: Ponys und Esel ausgebüxt – Feuerwehr sucht mit Drohne 

Bilder:
THW/Daniel Hofmann

Hinweise:

Zu den Herausgebern:
Dr. Gerd Landsberg ist Speaker & Publizist und war Hauptgeschäftsführer des DStGB
Franz-Reinhard Habbel ist Publizist & Unternehmer und war Sprecher des DStGB

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