Bitkom: Bevölkerung wird ungeduldig bei Digitalisierung
Drei Viertel der Deutschen wünschen sich eine schnellere Digitalisierung. Gleichzeitig fürchten 45 Prozent, nicht Schritt halten zu können.
Die KI-Revolution und die Kommunen
Die künstliche Intelligenz erobert die Welt. Ständig entstehen neue Anwendungen – für Unternehmen, Verwaltungen, Bürgerinnen und Bürger, Kultur, Film, Musik, Mobilität und Verkehrssteuerung. Die Entwicklung beschleunigt sich immer weiter. Weltweit entstehen neue Rechenzentren, um die wachsenden Datenmengen verarbeiten zu können.
Ist das ein Fluch oder ein Segen? Beides ist denkbar. Eines aber steht fest: Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Vergleichbar ist sie allenfalls mit dem Beginn der Industrialisierung. Wir stehen vor einer grundlegenden Veränderung unseres Lebens, unserer Wirtschaft und am Ende auch der Politik.
Wer diese Entwicklung unterschätzt, begeht einen ähnlichen Fehler wie Kaiser Wilhelm II., der beim Auftreten der ersten Automobile sagte: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd.“
Gerade für die Kommunen eröffnet die künstliche Intelligenz enorme Chancen. Städte und Gemeinden stehen unter erheblichem finanziellen Druck. Gleichzeitig wird der demografische Wandel dazu führen, dass in den kommenden Jahren hunderttausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst ausscheiden. Zugleich erwarten die Bürgerinnen und Bürger mehr Service, schnellere Verfahren und bessere Leistungen.
Hier kann KI einen wichtigen Beitrag leisten. Viele Verwaltungsleistungen, bei denen kaum Ermessensspielräume bestehen, können künftig weitgehend automatisiert bearbeitet werden. Dazu gehören beispielsweise die Berechnung von Sozialleistungen oder Wohngeld, die Zulassung eines Fahrzeugs oder die Änderung einer Wohnadresse.
Auch komplexere Verfahren lassen sich beschleunigen und mit weniger Personal bewältigen. Sind die relevanten Daten einer Kommune entsprechend aufbereitet und die Systeme ausreichend trainiert, kann eine KI etwa bei Bauanträgen prüfen, ob die Voraussetzungen eines Bebauungsplans erfüllt sind, und einen rechtlich belastbaren Entscheidungsvorschlag erstellen. Ähnliches gilt für viele standardisierte Rechtsfragen, etwa zur Wirksamkeit kommunaler Satzungen oder zur Rechtmäßigkeit von Gebührenbescheiden.
Auch beim Klimaschutz und bei der Klimaanpassung werden Kommunen künftig von KI profitieren. Die Systeme können in Echtzeit Daten auswerten und damit die Entscheidungs- und Reaktionsfähigkeit deutlich verbessern. Das gilt ebenso für den Katastrophenschutz. Kommt es beispielsweise zu einem schwerwiegenden Zwischenfall an kritischer Infrastruktur, können KI-gestützte Drohnen innerhalb weniger Sekunden ein präzises Lagebild liefern und den Krisenstäben Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.
Vieles davon mag heute noch futuristisch erscheinen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Teil dieser Entwicklungen Realität wird, ist hoch. Städte und Gemeinden sind deshalb gut beraten, sich schon jetzt auf diese Veränderungen vorzubereiten, entsprechende Systeme aufzubauen und die Chancen der künstlichen Intelligenz für eine leistungsfähige kommunale Verwaltung zu nutzen.
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