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Links für Kommunalpolitiker:innen
 
Kuratiert von Franz-Reinhard Habbel & Gerd Landsberg.
Aus dem Internet berichten wir jeden Sonntag über Ideen, innovative Lösungen und Zukunftsthemen für Kommunen. 

Ein Tag auch des Aufbruchs

Die Unterschiede in Deutschland verlaufen heute nicht mehr nur entlang der ehemaligen Grenze zwischen Ost und West. Prosperierende Städte und Regionen stehen strukturschwachen gegenüber, wachsende Regionen schrumpfenden. Zugleich bestehen die Unterschiede zwischen Ost und West fort. Beides gehört 36 Jahre nach der Deutschen Einheit zur Wirklichkeit.

Deshalb sollten wir kommunale Strukturpolitik stärker als gesamtdeutsche Aufgabe verstehen. Mit der Deutschen Einheit von 1990 wurde die staatliche Teilung Deutschlands überwunden. Heute geht es darum, die noch bestehenden wirtschaftlichen, infrastrukturellen und gesellschaftlichen Unterschiede weiter abzubauen. Dafür brauchen wir starke Kommunen. Sie sorgen für eine funktionierende Infrastruktur und Sicherheit, schaffen faire Chancen auf Teilhabe und sind zugleich eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und neue Arbeitsplätze.

Das gilt besonders für ländliche Regionen. 36 Jahre nach der Wiedervereinigung sollten wir ländliche Räume nicht mehr primär als Problemräume betrachten. Sie können vielmehr Zukunftsräume sein: Erneuerbare Energien, neue Industrieansiedlungen, Rechenzentren, moderne Landwirtschaft, Tourismus sowie neue Wohn- und Arbeitsformen eröffnen Entwicklungschancen. Digitalisierung und KI können zusätzlich dabei helfen, räumliche Nachteile gegenüber den Metropolen zu verringern.

Der 3. Oktober sollte deshalb nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern auch ein Tag des Aufbruchs sein. Deutschland wird nicht allein durch das, was 1990 erreicht wurde, zusammengehalten. Entscheidend ist auch, was wir heute gemeinsam aufbauen – vor allem vor Ort (Franz-Reinhard Habbel)

Städte- und Gemeindebund: Ländlichen Raum attraktiver machen

Angesichts der Wohnungsknappheit und hoher Mieten in den Ballungsräumen hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine Stärkung des ländlichen Raumes gefordert.

Gewerbesteueroasen: Standortwettbewerb auf Kosten von Kommunen

Steueroasen gibt es nicht nur auf den Cayman Islands, sondern auch in Deutschland. Sie sind legal, führen aber auch zu Missbrauch durch Unternehmer. Leidtragende sind die Kommunen.

eGovernment MONITOR 2026: Digitale Verwaltung überzeugt – wenn Menschen sie nutzen

81 Prozent derjenigen, die ihr letztes Behördenanliegen digital erledigt haben, waren damit zufrieden. Trotzdem sehen nur 15 Prozent ihre Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung erfüllt. Ein Grund: Nur jede*r Vierte kann sein Anliegen bisher von Anfang bis Ende online erledigen. Außerdem wissen viele gar nicht, dass es ein digitales Angebot gibt. Das zeigt der eGovernment MONITOR 2026, eine repräsentative Befragung zur digitalen Verwaltung.

Bundesrat beschließt antragsloses Kindergeld

Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat dem antragslosen Kindergeld zugestimmt. Damit ist der Weg frei: Eltern sollen künftig in vielen Fällen keinen Antrag mehr stellen müssen, um Kindergeld zu erhalten – die Familienkasse zahlt automatisch aus.

Minister Wildberger und Big Tech im Interview: "Ich halte Peter Thiels Ideen für extrem abwegig"

"Das Problem, dass das Silicon Valley Europa vollkommen davongelaufen ist, gibt es seit einem Vierteljahrhundert", sagt Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. 

Bundeszwang konkretisieren – den Ernstfall vorbereiten

Deutschland erlebt politische Veränderungen, die wir vor einigen Jahren in dieser Form kaum für möglich gehalten hätten. Extremistische und demokratiefeindliche Strömungen gewinnen an Einfluss und in Teilen auch an politischer Macht. Das fordert unseren demokratischen Rechtsstaat heraus – und verlangt, dass wir nicht nur auf die Gegenwart reagieren, sondern auch auf mögliche Konfliktlagen der Zukunft vorbereitet sind.

Das Grundgesetz hat für den äußersten Fall mit Art. 37 ein Instrument geschaffen: den Bundeszwang. Wenn ein Land seine verfassungs- oder bundesgesetzlichen Pflichten verletzt, kann der Bund unter den dort genannten Voraussetzungen Maßnahmen ergreifen, um die Einhaltung dieser Pflichten sicherzustellen. Doch ein Instrument muss nicht nur auf dem Papier existieren – es muss im Ernstfall auch funktionieren.

Was geschieht, wenn eine Landesregierung eine verbindliche Bundesweisung nicht befolgt? Was geschieht, wenn Landesbehörden die Umsetzung verweigern? Wer handelt dann konkret, welche Bundesbehörde übernimmt welche Aufgabe und welche Mittel stehen zur Verfügung? Diese Fragen dürfen nicht erst dann beantwortet werden, wenn der Konflikt bereits eskaliert .

Deshalb brauchen wir ein Ausführungsgesetz zu Art. 37 GG. Es sollte Verfahren, Zuständigkeiten, Befugnisse und die tatsächliche Durchsetzung des Bundeszwangs klar und rechtssicher regeln. Dazu gehören auch die Befugnisse eines Bundesbeauftragten, die Einbindung von Bundesbehörden, die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden sowie klare Regeln für den Fall, dass sich Landesbehörden einer rechtmäßigen Anordnung widersetzen.

Zu prüfen wäre dabei auch, ob und unter welchen engen verfassungsrechtlichen Voraussetzungen finanzielle Maßnahmen möglich sein können. Dazu könnte gehören, bei einer fortdauernden und erheblichen Verletzung von Bundespflichten bestimmte Zahlungen aus dem bundesstaatlichen Finanzausgleich zeitweise zurückzuhalten oder zu begrenzen. Eine solche Möglichkeit müsste an klare gesetzliche Voraussetzungen, die Schwere und Dauer der Pflichtverletzung sowie an das Verhältnismäßigkeitsprinzip gebunden sein. Die Finanzierung von Kommunen und die Erfüllung elementarer staatlicher Aufgaben dürfen dabei nicht gefährdet werden.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine generelle Ausweitung der Bundesmacht. Der Föderalismus bleibt ein tragendes Prinzip unserer Verfassungsordnung. Aber auch der Föderalismus braucht klare Regeln für den äußersten Konfliktfall.

Gerade angesichts der politischen Veränderungen und des wachsenden Einflusses extremistischer Strömungen sollten wir nicht darauf vertrauen, dass bestimmte Konflikte niemals eintreten werden. Wir müssen den demokratischen Rechtsstaat auch für den Ernstfall handlungsfähig machen. Der Bundeszwang steht im Grundgesetz. Jetzt sollten wir seine praktische Anwendung gesetzlich konkretisieren – einschließlich der Frage, welche rechtmäßigen finanziellen Konsequenzen eine hartnäckige Verletzung von Bundespflichten haben kann ( Gerd Landsberg)

Der Schwerpunkt kommunaler KI verschiebt sich vom Chatbot zur Vorbereitung und Bearbeitung konkreter Verwaltungsfälle.

KI soll die Falldokumentation in Sozialämtern erleichtern

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg, die Stadt Jena und die Stadt Krefeld testen KI bei der Falldokumentation im sozialen Bereich. Gerade in Sozialverwaltungen bindet die schriftliche Dokumentation von Gesprächen, Fallverläufen und fachlichen Einschätzungen erhebliche Arbeitszeit. Das Projekt mit Sozial KI soll untersuchen, wie generative KI Fachkräfte bei dieser Dokumentationsarbeit unterstützen kann. Entscheidend ist dabei der Umgang mit besonders sensiblen Sozialdaten und die klare Trennung zwischen technischer Unterstützung und fachlicher Verantwortung. Für Krefeld ist dies ein neuer Anwendungsfall und nicht die bereits früher gemeldete Weiterentwicklung des Bürgerassistenten CREDO.

Karlsruhe: KI soll den digitalen Posteingang vorsortieren

Der Landkreis Karlsruhe erprobt gemeinsam mit Insiders Technologies ein zentrales Inputmanagement mit automatisierter Dokumentenverarbeitung. Ziel ist es, eingehende Unterlagen bereits beim Eingang maschinell zu erfassen und für die weitere Bearbeitung aufzubereiten. Damit setzt KI an einer Routine an, die praktisch jede Verwaltung kennt: Dokumente müssen gelesen, erkannt, strukturiert und dem richtigen Vorgang zugeordnet werden, bevor die eigentliche Sachbearbeitung beginnen kann. Automatisiertes Inputmanagement kann diesen Vorlauf verkürzen und Beschäftigte von manueller Sortierarbeit entlasten. Der Pilot läuft im Rahmen des Agentic AI Hub bis Mitte Dezember.

Sechs Ausländerbehörden testen KI direkt in der Sachbearbeitung

Düsseldorf, Augsburg, Heilbronn, Lindau, Coburg und Leverkusen starten gemeinsam mit Lexaru einen KI-Piloten im Aufenthaltsrecht. Damit erreicht KI einen der derzeit besonders belasteten Verwaltungsbereiche. Die Fachanwendung kann Dokumente und Nachweise analysieren, relevante Informationen aus Akten extrahieren und fremdsprachige Unterlagen verarbeiten. Sachbearbeitende sollen dadurch weniger Zeit mit dem manuellen Übertragen und Strukturieren von Informationen verbringen. Die eigentliche Verwaltungsentscheidung bleibt beim Menschen. Besonders interessant: Es handelt sich nicht um einen Chatbot, sondern um KI innerhalb der Fallbearbeitung einer Ausländerbehörde. 

Neues aus dem Kommunalen Spitzenverbänden

DStGB: Vorausschauende Energiepolitik – Gasspeicher ausreichend füllen

DLT: Kabinettsbeschluss zur Pflege verzichtet auf Mehrbelastung für Heimbewohner und Kommunen

BayGT: Feuerwehrfahrzeug-Sammelbeschaffung

NSGB: Weniger Bürokratie muss endlich im Rathaus ankommen

SSGT: 75 Jahre SSGT: Kommunen fordern Beteiligung auf Augenhöhe und 200 Millionen Euro Soforthilfe

SSG-Sachsen: Sächsischer Städte- und Gemeindetag zum Entwurf des Sächsischen Kommunalfreiheitsgesetzes: Allein mit homöopathischen Dosen können Sachsens Kommunen nicht gesund werden

Kopf der Woche: Moritz Hennemann übernimmt zum 1.10.2026 das Amt des Bundesdatenschutzbeauftragten

Buch der Woche: Deutsche Diskrepanzen von Heinrich August Winkler

Heinrich August Winkler über die wiederkehrenden Muster der deutschen Geschichte. Warum kann Putin vor allem in Deutschland mit seinen Atomkriegsdrohungen punkten? Warum ist man gerade hierzulande so empfänglich für eine hypermoralische Betrachtung von Politik? Wie kann uns die deutsche Geschichte helfen, die antiwestlichen Haltungen in Ostdeutschland besser zu verstehen? Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie kennt so etwas wie wiederkehrende Konstellationen. Jenen tiefer liegenden Mustern der deutschen Geschichte, die gleichwohl große Wirkung entfalten können, widmet sich Heinrich August Winkler in diesem Buch und zieht die Quintessenz seines Nachdenkens über die deutsche Geschichte. Viele deutsche Besonderheiten der heutigen Zeit haben Wurzeln, die tief in die Geschichte

reichen: die Angst vor der Apokalypse, das Schwanken zwischen interessenvergessener Moralpolitik und wertevergessener "Realpolitik" sowie das Kokettieren mit einem eigenen deutschen Weg jenseits des Westens. In diesem knappen Band blickt einer der bekanntesten deutschen Historiker aus der Vogelperspektive auf die wiederkehrenden Muster der deutschen Geschichte, die verborgen bleiben, wenn man zu nah an den Dingen steht - und liefert damit einen Beitrag zur Ortsbestimmung der Gegenwart.

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Zahl der Woche: 95 % des Gesamtwerts steuerpflichtiger Erbschaften und Schenkungen 2025 in Westdeutschland (Quelle destatis)

Chatbot der Woche: Stadt Bad Kreuznach

Zu guter Letzt: Polizei stoppt Porschefahrer mit Tempo 312

Titel KI generiert
Image by Jens Brück from Pixabay

Hinweise:

Zu den Herausgebern:
Dr. Gerd Landsberg ist Speaker & Publizist und war Hauptgeschäftsführer des DStGB
Franz-Reinhard Habbel ist Publizist & Unternehmer und war Sprecher des DStGB

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