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Kuratiert von Franz-Reinhard Habbel & Gerd Landsberg.
Aus dem Internet berichten wir jeden Sonntag über Ideen, innovative Lösungen und Zukunftsthemen für Kommunen. 

Schuldenlast 2025 um fast zehn Prozent gestiegen

Die Schulden der Kommunen sind im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent gestiegen.

Haftungsbegrenzung für Kommunen – mehr Augenmaß, weniger Bürokratie

Die Haftungssituation der Kommunen hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschärft. Ein Grabstein auf dem Friedhof fällt um und verletzt einen Bürger am Fuß. Ein abgestorbener Ast bricht aus einem kommunalen Baum und verursacht einen Schaden. Ein Schlagloch beschädigt einen tiefergelegten Sportwagen. Schnell stellt sich die Frage: Wer haftet?

Nicht selten lautet die erste Antwort: die Kommune. Natürlich müssen Städte und Gemeinden ihre Verkehrssicherungspflichten ernst nehmen. Wo Gefahren erkennbar sind und zumutbare Sicherungsmaßnahmen möglich sind, muss die öffentliche Hand handeln. Aber die Entwicklung der vergangenen Jahre führt zu einer grundsätzlichen Frage: Ist es noch angemessen, nahezu jedes allgemeine Lebensrisiko über die Haftung der Kommune abzusichern?

Wenn aus Vorsorge Bürokratie wird: Die zunehmende Haftungssensibilität hat inzwischen erhebliche Auswirkungen auf den Verwaltungsalltag. Versicherer machen teilweise sehr konkrete Vorgaben, wie kommunale Einrichtungen zu kontrollieren und zu sichern sind. Beim Friedhof kann das beispielsweise bedeuten, dass Grabsteine regelmäßig einem sogenannten Rütteltest unterzogen werden. Damit ist es allerdings nicht getan. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen für solche Kontrollen geschult werden, Prüfungen müssen dokumentiert, Fristen eingehalten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen veranlasst werden.

Was im Einzelfall sinnvoll sein kann, entwickelt sich in der Summe zu einem erheblichen bürokratischen Aufwand. Kommunale Beschäftigte verbringen zunehmend Zeit damit, Risiken zu dokumentieren und Haftungsfragen abzusichern. Zeit, die an anderer Stelle fehlt – etwa bei der Bearbeitung von Bauanträgen, bei der Betreuung von Bürgerinnen und Bürgern oder bei der Umsetzung dringend notwendiger Investitionen.

Haben wir das Verhältnis von Verantwortung und Eigenverantwortung verloren? Parallel dazu hat sich bei Teilen der Bevölkerung eine Erwartungshaltung entwickelt: Wenn mir etwas passiert, muss jemand dafür haften. Und dieser „Jemand“ ist bei öffentlichen Einrichtungen häufig die Kommune. Dabei gerät ein wichtiger Grundsatz zunehmend aus dem Blick: Das Leben ist nicht risikofrei. Wer einen Waldweg benutzt, einen öffentlichen Spielplatz betritt, einen Friedhof besucht oder eine kommunale Einrichtung nutzt, bewegt sich nicht in einem vollständig risikofreien Raum. Natürlich darf niemand unvertretbaren Gefahren ausgesetzt werden. Aber nicht jedes Risiko kann und muss von der öffentlichen Hand ausgeschlossen werden. Es braucht deshalb wieder mehr Bewusstsein für die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.

Haftung ja – aber mit Augenmaß: Im Rahmen der Überlegungen zur Modernisierung des föderalen Staates sollte deshalb auch das Haftungsrecht für Kommunen auf den Prüfstand. Ein möglicher Ansatz könnte darin bestehen, für die Nutzung bestimmter öffentlicher Einrichtungen einen stärkeren Grundsatz der Eigenverantwortung zu

verankern: Wer öffentliche Sachen und Einrichtungen bestimmungsgemäß für die Allgemeinheit nutzt, trägt grundsätzlich auch die damit verbundenen allgemeinen Lebens- und Nutzungsrisiken – soweit die Kommune ihre zumutbaren Verkehrssicherungspflichten

erfüllt hat. Das wäre kein Freibrief für Kommunen. Wo eine Kommune eine bekannte Gefahrenquelle nicht beseitigt, nicht ausreichend kennzeichnet oder ihre Verkehrssicherungspflichten verletzt, muss sie auch weiterhin Verantwortung tragen. Es geht vielmehr um eine andere Balance: Haftung dort, wo tatsächlich eine Pflichtverletzung vorliegt – Eigenverantwortung dort, wo sich lediglich ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht.

Ein Beitrag zur Verwaltungsmodernisierung: Eine solche Neujustierung könnte mehr bewirken als nur eine Entlastung der kommunalen Haushalte und Versicherungen. Sie könnte auch ein wichtiger Baustein für eine effizientere und schnellere Verwaltung sein. Weniger kleinteilige Kontrollen, weniger Dokumentationspflichten und weniger aufwendige

Haftungsprüfungen würden kommunale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten. Gleichzeitig könnten Verfahren beschleunigt und Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie für die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar einen Mehrwert schaffen. Auch für die Betroffenen selbst wäre eine klare Rechtslage hilfreich. Denn langwierige Haftungsprozesse schaffen nicht selten Erwartungen, die am Ende enttäuscht werden. Wer dagegen von vornherein weiß, welche Risiken er bei der Nutzung öffentlicher Einrichtungen selbst trägt, hat eine klarere Orientierung.

Der Staat muss nicht jedes Lebensrisiko übernehmen: Die Modernisierung des Staates darf sich deshalb nicht allein auf Digitalisierung und den Abbau einzelner Formulare beschränken. Wir brauchen auch eine Diskussion darüber, welche Verantwortung der Staat übernehmen muss – und wo Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger beginnen sollte. Kommunen sind für die Daseinsvorsorge da. Sie können und sollen aber nicht gleichzeitig zur Vollkaskoversicherung für sämtliche Risiken des täglichen Lebens werden.

Niederlande: Den Haag will 25.000 Beamte streichen, auch mit KI 

Die Regierung in Den Haag plant Milliardeneinsparungen und will dafür jeden sechsten Beamten entlassen. Beim Bürokratieabbau orientieren sich die Pläne teilweise sogar an Deutschland.

NRW: Kommunen wollen E-Scooter ausbremsen 

E-Scooter fahren oft zu schnell. Die Unfallzahlen steigen. Kommunen wollen mehr Möglichkeiten, gegen E-Scooter vorzugehen.

Sicherheitsüberprüfungen für kommunale Infrastruktur ausweiten

Talsperren, Wasserwerke und Stromversorgungsanlagen brauchen besseren Schutz vor Sabotage und Ausspähung.

Die Bundesregierung berät über eine Ausweitung der Sicherheitsüberprüfungen für Beschäftigte an besonders sensiblen Stellen. Dazu zählen etwa Leitstellen von Bahnunternehmen und Kontrollräume von Talsperren. Dieser Ansatz ist richtig, muss aber auch kommunale Einrichtungen einbeziehen.

Talsperren, Wasserwerke, Kläranlagen und Stromversorgungsanlagen sichern die Versorgung der Bevölkerung. Werden sie manipuliert oder fallen sie aus, können die Folgen für eine Kommune erheblich sein. Cyberangriffe, Sabotage und Ausspähung richten sich längst nicht mehr nur gegen große, überregional bekannte Einrichtungen. Auch dezentral betriebene Anlagen sind potenzielle Ziele. Deshalb braucht es klare Kriterien dafür, welche Tätigkeiten eine Sicherheitsüberprüfung erfordern. Besonders relevant sind Beschäftigte mit Zugang zu Steuerungs- und Kontrollsystemen oder mit weitreichenden Eingriffsmöglichkeiten in den Betrieb. Zugleich müssen Verhältnismäßigkeit und der Schutz persönlicher Rechte gewahrt bleiben. Nicht jede Tätigkeit in einer kommunalen Einrichtung rechtfertigt eine Überprüfung.

Der Bund muss nicht nur die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, sondern auch eine zügige Umsetzung sicherstellen. Sicherheitsüberprüfungen dürfen nicht an fehlenden personellen oder organisatorischen Kapazitäten scheitern und sich nicht über Monate verzögern. Insbesondere beim Bundesamt für Verfassungsschutz und den weiteren zuständigen Stellen müssen ausreichend Personal und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen. Wer von Kommunen und Betreibern verlangt, sicherheitsrelevante Funktionen konsequent zu überprüfen, muss zugleich gewährleisten, dass diese Prüfungen zeitnah und verlässlich durchgeführt werden können.

Bund und Länder müssen die Kommunen außerdem bei der Umsetzung unterstützen. Erforderlich sind verbindliche Vorgaben, Risikoanalysen, Notfallpläne und technische Schutzmaßnahmen. Dazu gehören sichere digitale Steuerungssysteme, eine verlässliche Notstromversorgung und belastbare Ersatzlösungen.

Der Schutz kritischer Infrastruktur ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Die kommunale Ebene darf dabei nicht außen vor bleiben. Sicherheitsüberprüfungen sollten deshalb gezielt auf besonders gefährdete Tätigkeiten in kommunalen Einrichtungen ausgeweitet werden. Entscheidend ist, dass aus den neuen Anforderungen konkrete Maßnahmen werden – und dass diese ohne vermeidbare Verzögerungen umgesetzt werden können (Gerd Landsberg)

Sichere Daten: Bund und Länder starten Testnetz für Quantenkommunikation

Cyberangriffe gefährden die Kommunikation von Behörden und kritischer Infrastruktur. Bund und mehrere Länder testen eine Technik, die Angriffe besser abwehren können soll.

Suchtkranke in deutschen Städten: Brauchen wir eine neue Drogenpolitik?

Crack-Konsum im Hauseingang, fixen in der U-Bahn und Suchtkranke, die scheinbar bewusstlos auf der Straße liegen: Viele deutsche Städte kämpfen mit den Folgen des internationalen Drogenhandels. Braucht es eine neue Drogenpolitik?

Estland: Lieferroboter baut Unfall mit Bus und fährt weiter

Sie bringen Pakete, Essen oder Lebensmittel: Lieferroboter gehören vielerorts mittlerweile zum Stadtbild. Ein Vorfall aus der estnischen Hauptstadt Tallinn zeigt, dass nicht immer alles glattgeht.

Ausweitung für Videoüberwachung bereits geplant: Erste KI-Kameras am Kottbusser Tor laufen ab November

30 KI-Kameras sollen am Kottbusser Tor künftig Gewalttaten und Notfälle erkennen. Gegen die Videoüberwachung gibt es Widerstand. Wie sie funktioniert und wo die Innensenatorin sie noch einsetzen will.

Elektronische Patientenakte: Verbände fordern kompletten Neustart 

Einen Neustart der Gesundheitsdigitalisierung fordern mehrere Verbände – die elektronische Patientenakte in ihrer heutigen Form sei nutzlos.

Kommunikationsrevolutionen sind Dauerrevolutionen

Der ICE 595 nach Berlin verließ Fulda fast pünktlich. Es war Freitag und der Zug war gut besetzt. An meinem reservierten Tisch saß eine Mutter mit ihren beiden etwa sechs und acht Jahre alten Kindern. Beide beschäftigten sich mit Tablets und hatten Kopfhörer auf den Ohren. Gesprochen wurde kaum. Nur wenn die Internetverbindung abbrach, bat die Tochter ihre Mutter um Hilfe. Drei Stunden Fahrt, fast ausschließlich mit dem Bildschirm. Zweimal unterbrach die Mutter das Spiel, einmal, um mit ihrer Tochter das Einmaleins zu üben. Später erzählte sie mir, wie schwer es sei, die Bildschirmzeit ihrer Kinder zu begrenzen.

Noch vor wenigen Jahren lagen auf solchen Tischen Malblöcke, Kartenspiele oder Bilderbücher. Heute dominieren häufig digitale Geräte. Diese alltägliche Beobachtung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie verändern neue Technologien unsere Kommunikation und unser Denken? WEITER LESEN HIER 

Immer besser vernetzt – aber sprechen wir noch miteinander? - Symbolbild mit KI generiert

Neues aus den Kommunalen Spitzenverbänden

DST: "Stimme der jungen Generation muss in der Politik Gewicht haben"

DStGB: "Hohe Belastung durch Komplexität von Verwaltungen"

DLT: Krankenhausversorgung auf dem Land ist gefährdet

GStBRLP: Steuerschätzung ist kein Ersatz für einen echten Reformkurs

GtBW: Steuerschätzung verschärft die dramatische Lage der Kommunalfinanzen

STVBSH: Ergebnisse der Steuerschätzung lassen erneut eine Verschärfung der kommunalen Finanzkrise erwarten – Bund und Land müssen sofort eine aufgabengerechte Finanzausstattung sicherstellen

NSGB: Neue Belastungen für Städte und Gemeinden verhindern

NST: Land muss die Reform des Rettungsdienstes stoppen

SSG-Sachsen: Sächsischer Städte- und Gemeindetag: Oktober-Steuerschätzung 2026 – Keine Entwarnung für Kommunalfinanzen

SHGT: KLV warnen vor historischen Defiziten

STGBSA: "Wo wir sind, da ist Heimat!" - Kommunale Spitzenverbände fordern Heimatmilliarde und starten eigenes Konsultationsverfahren mit dem Landtag

Kopf der Woche: Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Leiter der Arbeitsgruppe "Digitale Transformation öffentlicher Dienste", Universität Bremen

Buch der Woche: Teslokratie von Christoph Chwatal, Alexander Karschnia und Heimo Lattner

m Januar 2025 gründete US-Präsident Trump das sogenannte "Department of Government Efficiency" und ernannte mit Elon Musk den reichsten Mann der Welt zum Regierungsberater mit weitreichenden Befugnissen. In den folgenden Monaten ließ sich am deutlichsten erkennen, was eine "Teslokratie" für unsere Gesellschaft bedeuten würde. Musk startete einen beispiellosen Angriff auf die Demokratie und entließ voreilig Hunderttausende Regierungsmitarbeitern. Das Agieren der Tech-Bros, von Musk über Investor Peter Thiel bis zu Palantir-CEO Alex Karp, ist von libertären Extremisten und Anti-Aufklärern inspiriert, die sich als rechte "Anarchokapitalisten" verstehen. Staaten sollen wie Unternehmen geführt werden, mit CEOs an der Spitze und ausgerichtet am heiligen Gral der Effizienz. Beim sorgenvollen Blick über den Atlantik sollte jedoch nicht vergessen werden, dass auch vor den Toren Berlins eine Tesla-Gigafactory an Abstimmungsverfahren vorbei genehmigt wurde - im "Tesla-Tempo", wie Robert Habeck es formulierte. Die "Teslokratie", das wird immer deutlicher, reicht von Grünheide bis zum Mars, ihr Horizont ist der eines techno-utopischen Kolonialismus des Weltalls. Dieses Buch versammelt Analysen, Kritiken, Gegenstrategien aus politischer Theorie, Soziologie und Kunst; wissenschaftliche Aufsätze zur "Teslokratie" stehen neben essayistischen Einlassungen und künstlerischen Bildstrecken. Mit Beiträgen u. a. von Geert Lovink, Dirk Baecker, Ana Teixeira Pinto, Jeremy Adelman, Jonas Staal, Sebastian Kirsch, Maike Weißpflug, Francesca Bria, Quinn Slobodian, Mirjam Wulff, Jay Jordan.

+++Denken Sie beim Erwerb von Büchern an den örtlichen Buchhandel+++++

Zahl der Woche: 18,9 % des verfügbaren Einkommens sparten private Haushalte brutto im Jahr 2025 (Quelle destatis)

Chatbot der Woche: "Karlchen" Stadt Ingelheim

Zu guter Letzt: Gletscher gibt 48 Jahre altes Bierfass in Südtirol frei – Finder zapfen es an und sind völlig überrascht

Image by Gerd Altmann from Pixabay

Hinweise:

Zu den Herausgebern:
Dr. Gerd Landsberg ist Speaker & Publizist und war Hauptgeschäftsführer des DStGB
Franz-Reinhard Habbel ist Publizist & Unternehmer und war Sprecher des DStGB

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